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Quelle: pepperoni.ch
Pepperino.ch ist eine Schweizer Zeitschrift, welche vier mal jählich erscheint und sich den Bereichen Kultur und Humor widmet.

Wer baute ein Zimmer auf eine Kirche? Littmann natürlich.

Ein Rückblick auf eine typische Basler Kultur-Intervention

Klaus Littmann steht auf der dem Rhein zugeneigten Terrasse des Münsters und blickt nach oben. Dort oben ist normalerweise nichts, ausser dem Dachgiebel der bekanntesten Basler Kirche. Fast nichts. Denn auf dem Giebel steht auch ein kupfergrüner Wetter-Engel, der sich, je nach Wind, mal dem Gross- und mal dem Kleinbasel zuwendet. Aber normalerweise beachtet man den nicht. Kaum jemand wusste bisher, dass es diesen Engel gibt. Bisher.

Klaus Littmann ist einer der Basler, die ganz getreu dem offiziellen Basel-Slogan "anders ticken". Er gehört auch zum Basler Kultur-Daigg, der zwar nur beschränkt etwas mit Basler Geldadel zu tun hat, aber mindestens genau so dick ist wie dieser. Wenn es in den letzten Jahren irgendwo in Basel etwas auffälliges zu sehen gab, steckte meistens Littmann mit seinen Stadtbild-Interventionen dahinter. Einmal standen überall in der Stadt kleine Backstein-Gebilde (unter anderem wurde ein Baumstamm eingemauert). Ein anderes mal zierten -zig Stoff-Plakate die Fassaden der Innerstadt-Häuser. Und jetzt das Projekt "engel".


Ein Passant: "I hoff eifach, die hänn das guet gsicheret!"

Der Künstler hinter "engel" ist nicht Littmann selber, er hat's nur organisiert. Die Idee stammt vom Japaner Tazro Niscino. Er hat sich einen Namen damit gemacht, um Kunstwerke herum Wohnzimmer zu bauen. Ganz normale Wohnzimmer. Und ein solches Wohnzimmer befindet sich nun auch über dem Münster - es erscheint schon fast schwebend. Im Innern des Wohnzimmers, das ganz normal mit Sofa und Büchergestellt eingerichtet ist, steht ein kleines Clubtischchen. Und auf dem steht der Engel. Er, der normalerweise kaum beachtet wird, ist nun inmitten des Zimmers, das von vielen Leuten besucht wird. Nicht nur wegen der schönen Aussicht auf die Stadt.

Diese muss man sich aber erarbeiten. Als ich am Sonntag - wann sonst besucht man eine Kirche? - das Münster betrat, empfing mich eine lange Schlange. Mein Vordermann, sprach von der "Arteplage Basel". Durch eine enge Wendeltreppe steigt man auf die kleine Terrasse über der Pfalz empor. Und dort wartet das Gerüst. Das sehr luftige Gerüst. Das sich - so hat man das Gefühl - im Winde leicht wiegt. Habe ich erwähnt, dass ich mich auf solchen Gerüsten nie ganz wohl fühle? Einmal oben geniesse ich aber erst mal die ungewohnte Aussicht. "Gott!" ruft eine Frau neben mir - nicht ganz unpassend - aus. Da ist es nun das Wohnzimmer, in dessen Mitte der Tisch mit dem Engel steht. Genau genommen steht dieser ja nicht auf dem Tisch. Denn abgebrochen wurde er nie. Der Engel steht da wie immer, nur die Betrachtungsperspektive hat sich geändert. Das Wohnzimmer wurde um die Skulptur herum gebaut.

Littmann, der von einem Besucher ganz passend "Kulturobermaischer vo Basel" genannt wurde, hat wieder einmal geschafft, dass über ihn geredet wurde. Und über sein Projekt. Und wie immer - vor allem, wenn am Münster herumgebaut wird - schieden sich natürlich die Meinungen. Die einen fanden die Idee faszinierend, die anderen schlicht verrückt. Der Anblick des Containers über der Kirche weckt auf jeden Fall Emotionen. Die Aktion verleitet dazu, die Stadt mal etwas anders zu betrachten. Und sie zeigt uns einen einsamen Engel, der sonst ganz einsam die Flügel nach dem Wind ausrichten würde.

Nun, da das Zimmer wieder abgebaut ist blickt er wohl wieder wie früher auf uns Menschen herunter und sich denkt: "die sind schon ein wenig komisch, diese Menschen". Nur kennt er uns jetzt vielleicht auch ein wenig besser.