Kreta
- Die Geburt einer Maturreise
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Kalimera!
Vor etwa drei Jahren begannen wir uns
zu überlegen, wohin unsere Klasse in die Maturreise fahren
sollte. An unserer Schule ist es, wie an wahrscheinlich allen Gymnasien,
Tradition, dass die achten Klassen eine gemeinsame Reise machen.
So tauchte als erstes die Frage nach dem Wohin auf. Das Wie und
das Wie lange standen schon lange fest: Mit dem Flugi und zwei Wochen.
Und auch war es ein stummes Gesetz, dass man in den Süden fliegen
würde, um die Sonne zu geniessen.
Mein Kollege Sven machte mir dann
den Vorschlag, wir könnten doch einmal nach Lörrach
fahren, um dort die günstigsten Angebote zu suchen. Also
machten wir an einem sonnigen Frühlingstag einen Veloausflug,
um dann am Abend mit etwa 5 Kilo Papier wieder zurückzukehren.
Unsere, nach unserem Geschmack leicht vorsortierte Ausbeute präsentierten
wir dann der restlichen Klasse. Zur Auswahl standen vor allem
Griechenland und Tunesien. Da ein alt bekanntes, aber nicht ganz
wahres, Vorurteil besagt, dass es in Tunesien nichts zu sehen
gäbe, stimmte unsere Klasse mehr oder weniger einstimmig
für Griechenland. Auch das Hotel wurde recht schnell gefunden.
Es liege in der Nähe von Heraklion und Chersonisos, den Unterhaltungszentren
Kretas, hiess es im Prospekt. Der Ort heisst Gouves, das Hotel
Hara Ilios Village.
Da wir für unsere Klasse 23
Betten benötigten, wollten wir uns mit Buchen beeilen, da
viele Angebote schon ausgebucht waren. Dazu war ein Erwachsener
nötig, und da Sven und ich beide erst im stolzen Alter von
17 Jahren waren, wurde einer der älteren Mitschüler
dazu verurteilt, mit seiner Unterschrift für alles zu bürgen.
Das Opfer Bürtsch war ein leidenschaftlicher Motorradfan
und bestand darauf mit seiner „Kaffeemühle“ nach Lörrach
zu fahren. Also machten wir vor dem Hauptbahnhof ab, wo er dann
mit einer Verspätung auftauchte, die sogar von der SBB nicht
mehr übertroffen werden kann. Er hatte beim falschen Bahnhof
gewartet. Doch auf dem Reisebüro angekommen wurde seine Stimmung
erheblich gesteigert... beim Anblick der Gratisgummibärchen.
Noch bevor wir die Erlaubnis des
Konrektors hatten, buchten wir die Reise, die pro Person ca. 1000
Franken kostete. Nach Abzug des Geldes aus der Klassenkasse und
des Erlöses unserer Theateraufführung blieben für
jeden noch etwa 300 Franken zu bezahlen.
Dieses Geld galt es nun einzusammeln.
Grosszügig wie ich bin, stellte ich mein Postchequekonto
zur Verfügung (...das damals noch 2,75% Zins bot). Bald waren
auch die 23 Einzahlungsscheine ausgefüllt und an die Klasse
verteilt. Wir machten einen Termin aus, an dem das Geld eingezahlt
sein sollte. Natürlich, wie sollte es anders sein, war zu
diesem Zeitpunkt erst etwa die Hälfte eingetroffen. Das letzte
Geld erhielt ich etwa eine Woche vor der Abreise. Martina hatte
den Einzahlungsschein verloren. Im übrigen hatte ich noch
nie so viel Geld auf einem meiner Konten. Ich überlegte mir,
ob ich nicht auf die Bahamas auswandern sollte. Mit dem Geld natürlich.
Doch, als ob es auf dieser Welt
nicht schon genug Probleme gäbe, es entstand noch eines.
Drei der Schüler unserer Klasse, hatten das Glück, im
Sommer das Gefühl des Fliegens kennenzulernen. Sie waren
nicht mehr Mitglieder unserer ehrenwerten Gesellschaft. Natürlich
lag ihnen viel daran trotz dem nach Kreta mitzukommen. Doch unser
werter Herr Rektor hatte wohl etwas dagegen. Die drei dürfen
nicht mitkommen, hiess es. Sie sollten langsam den Kontakt zur
alten Klasse abbrechen, um sich besser in die neue Klasse integrieren
zu können. Nach wochenlangen Verhandlungen mit Schulleitung,
Lehrern und Schulinspektion (Gerüchten zufolge soll sogar
ein Brief an den zuständigen Regierungsrat geschrieben worden
sein) kam dann endlich die Erlösung. Die Drei durften mitkommen.
Doch wir sollten uns die Reise wohl zuerst verdienen, denn jetzt
wollte einer der Dreien nicht mehr mitkommen. Er habe schon längst
etwas anderes gebucht.
Ein weiteres Mal wurde nach Lörrach
telefoniert. Frau Socher wurde langsam zu einer guten Bekannten
und unsere Telefonkosten waren bald höher als der Reisepreis.
Mit ihr machten wir aus, dass Ralfs Geld zusammen mit dem Gruppenrabatt,
den wir nach der Reise noch ausbezahlt bekommen sollten, zurückbezahlt
würde. Nachdem einige Reisepreise noch einmal umtaxiert wurden
- durch die Abmeldung ging die Zimmerbelegung nicht mehr auf -
sollten eigentlich alle Probleme gelöst sein. Bis auf die
Lateinprüfung am letzten Tag vor den Ferien.
Hurra! Der Tag der Abreise. Der
Beweis für unser Organisationstalent sollte sich an diesem
Tag in Form eines Flugzeuges zeigen. Das Glück hatte sich
uns scheinbar wieder zugewendet, den kein Mensch kam zu spät.
Sogar die Lehrer kamen pünktlich,... beinahe.
Noch ein letzter kleiner Schock vor
der verdienten Erholung. Lehrer Schenker (Zitate aus dem Schulalltag:
„Weg von der Frau zum reinen Geist“, „Was soll’s, das Leben ist
so oder so tödlich.“) fand seine Bording Card nicht. Nach
mehreren Schweissausbrüchen seinerseits und unseren Bemühungen
die nächste Reisebürovertretung zu finden, war die Spannung
auf dem Höchstpunkt. Eine Stunde später sassen alle,
auch Schenker, der nach einer Viertelstunde seinen topsicheren
Aufbewahrungsort wieder gefunden hatte, im Flugzeug nach Kreta.
Totales Glücksgefühl!
Nun begannen die schönen Seiten
des Lebens. Um all das zu erzählen, was wir in Griechenland
erlebt haben und was für Schönheiten dieses Land bietet,
wäre wahrscheinlich ein weiterer Bericht nötig. Einige
Dinge möchte ich aber dennoch erwähnen.
Kurz nach dem wir uns in unserem
Hotel, das noch recht neu war und nebst uns noch mit einer Gruppe
Wandervögel belegt war, eingenistet hatten, begannen die
typischen Geschichten, die man auch aus den Schullagern kennt.
Mädchen A muss mit Mädchen
B ein Zimmer teilen. Will aber nicht. Eine Krisensitzung wird
abgehalten, bei der beschlossen wird, dass Mädchen A das
Zimmer nun mit Mädchen C teilt, obwohl dieses auch nicht
will. Am nächsten Tag mieten Mädchen B, C und E zusammen
mit den Knaben 1 und 2 ein Auto. Als darauf einige Knaben Motorräder
mieten, um die Insel zu erkunden, fühlen sich die Mädchen
A, D, E von den anderen verschaukelt und blicken diesen währen
den nächsten 5 Tagen nicht mehr in die Augen. Die Knaben,
die noch nicht involviert sind, versuchen währenddessen sich
soweit aus der Affäre raus zu halten, dass sie weder von
der BCE- noch von der ADE- Fraktion als Verräter betrachtet
werden. Eine schwierige Zeit bricht an...
Aber die Ferien auf der Götterinsel
boten auch angenehme Seiten. Während den ganzen zwei Wochen
bekamen wir das schönste Wetter geboten,... bis auf wenige
Regentage. Mit dem Linienbus, der auf Kreta recht günstig
ist, bereisten wir die Nordküste Kretas. Gebadet wurde auch
viel und sogar die Kultur wurde von uns beachtet. So besichtigten
wir zwei Ausgrabungsstätten. Unser Lateinlehrer riet uns
vor der Abreise, den Palast von Knossos nicht zu besichtigen,
da dieser wüst restauriert worden sei. Diesen Befehl mussten
wir natürlich befolgen.
Auch meine Aufgabe als wandelndes
Reisebüro durfte ich einmal wahrnehmen. Nämlich dann,
als die Klasse beschloss, sie wolle das vorige Geld aus der Klassenkasse
beziehen. Also ging ich mit eine Beige Schecks zur nächsten
Post, ich musste dafür in die Hauptstadt Heraklion, und bat
die Schalterbeamte, mir Drachmen im Wert von 1000 Franken auszuzahlen.
Diese schaute zunächst ein wenig komisch, fragte dann ihren
Chef, ob es möglich sei mit mehr als einem Schecks Geld zu
beziehen und drückte mir schlussendlich einen dicken Bündel
Noten in die Hand. Noten mit einem höheren Wert als umgerechnet
25 Franken werden in Griechenland nämlich selten verwendet.
Wie in vielen südlichen Ländern
kann man auch in Griechenland sehr schnell Leute kennenlernen.
Erst recht, wenn man die geläufigsten griechischen Redewendungen
wie Kalimera (Guten Tag), Kalinichta (Gute Nacht) oder Efcharisto
(Danke) beherrscht. Nur vor den Busskondukteuren muss man sich
in Acht nehmen. Einmal stoppten wir den Bus eine Station zu früh.
Der Billetteur war darüber so verärgert, dass er bei
der nächsten Station (bei der wir ihn eigentlich verlassen
wollten) durchfuhr und wir danach wieder zurückgehen mussten.
Überhaupt muss man sich an den griechischen Verkehr zuerst
einmal gewöhnen. Alles Gehörte über Italien, Frankreich
oder Spanien ist nichts gegen die Sorgfalt, mit der die Griechen
die Verkehrsregeln missachten. Eine unbeleuchtete Strasse, die
mit 50 km/h beschildert ist wird in der Nacht gerne mit über
100 km/h befahren. Ein Ausflug mit einem griechischen Taxi ist
besser als jede Achterbahn,... und erst noch billiger.
Nun sind seit der ersten Planung
der Reise beinahe schon drei Jahre vergangen*. Noch immer habe
ich eine Dose mit griechischem Kaffee (dem besten auf der ganzen
Welt) in der Küche und Sven schwärmte eben von einem
Tee, den er mit griechischem Diktamus (ein Kraut, das auf Kreta
wächst und gegen jedes Wehwehchen nützlich sein soll)
zubereitete.
Etwas Kultur haben wir eben doch
kennengelernt, auch wenn sie vor allem mit Essen und Trinken zu
tun hat.
Ija sou! (Frei übersetzt: Tschau
zämme!)
*dieser Artikel wurde 1999 geschrieben.
Noch
ein paar Reisetips für Kreta
Was gibt es zu sehen auf Kreta? Sicher
mehr als Strände. Denn die Strände sind kein Grund um
nach Kreta zu fahren, sind sie doch fast alle Kiesstrände,
oder zumindest aufgeschüttete Sandstrände. Aber auch
dann steht man schnell einmal auf den Steinen.
Nein, sehenswert an Kreta ist eher
die Landschaft. Die Hochebenen (zB. Lasithi) mit ihren Olivenölplantagen
geben ein ganz besonderes Bild ab. Und wenn dann noch ein paar
alte Windmühlen neben den kleinen weissen Häusern stehen,
schlägt das Herz eines bekennenden Fotofetischisten höher.
Aber auch die Städte Kretas bieten sehenswertes. Heraklion
ist zwar laut und dreckig, aber da in Griechenland eigentlich
alle grösseren Städte so sind, gehört auch dieser
Besuch zur Standardbildung eines Touristen. Ein ganz anderes Bild
gibt zum Beispiel Rethimnon ab. Diese Stadt war sehr lange noch
von Türken besetzt. Die arabischen Häuser und ehemaligen
Moscheen stehen auch heute noch. Das alte Fort von Rethimnon liegt
auf einem Hügel und bietet eine schöne Aussicht auf
die Stadt mit ihren Kirchen und Minaretten. Eine schöne kleinere
Stadt ist Agios Nikolaos im Osten der Insel. Ihr Hafen ist wie
ein kleiner See in der Stadt eingeschlossen. Rund herum hat es
Restaurants, die allerdings etwas teurer sind als normal.
Was gehört zur Reisevorbereitung?
Lerne schon einmal ein paar griechische Buchstaben. Sofern dein
PC die nötige Schrift geladen hat, kannst du dir hier einen
kleinen Vorgeschmack bilden.
Kalimera! Dies musste
gricisc gescriben sein
Auch ein paar Worte griechisch öffnen
dir jedes einheimische Herz, um es etwas geschwollen zu sagen.
Wenn du einen Griechen mit Kalimera
berüsst oder ihn mit Ia
sas verabschiedest,
wird er dir vermutlich schnell einmal das weniger förmliche
Ia sou
anbieten, oder mit dir, einem Raki und einem Ia
mas! anstossen.
Ein kleines freundliches Hotel für
Badeferien ist das Hotel Hara Ilios Village in Gouves Pediados
an der Nordküste, nicht weit von Heraklion entfernt. Wenn
ich mich nicht täusche, ist es bei Neckermann Reisen im Katalog.
A propos Neckermann: Auch für Schweizer lohnt es sich einmal
über die Grende zu fahren und dort zu buchen. Wir haben so
für unsere Maturreise viel Geld gespart