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Tunesien

FC mal anders (1994)

Aslema!
Tunesien hat als Reiseland  ein Image, von dem es nicht mehr weg kommt, und das zu Unrecht. In Tunesien könne man baden, und Teppiche kaufen, sonst nichts, hört man immer wieder.


Speichergebäude in Medenine

Doch wer sich einmal vom Hotel weg, durch die Händler hindurch gekämpft hat, findet ziemlich bald ein wunderschönes Land, mit Leuten. die einem gar nicht immer etwas verkaufen wollen, wenn sie einen ansprechen.

Natürlich gibt es in Tunesien die grossen Touristenzentren wie Hammamet oder Sousse, in denen Tunesien wohl beinahe gleich aussieht wie ein spanischer Badeort. Wer das ursprüngliche Tunesien kennenlernen will, ist deshalb besser beraten, entweder in den Norden, zB. Bizerte, oder in den Süden nach Zarzis zu reisen.

Zarzis im Süden Tunesiens entspricht wohl dem, was man sich unter einer Nordafrikanischen Kleinstadt vorstellt. Palmenwälder am Rande des Orts, etwa 10 kleine bis mittlere Hotels und viel Sonne.
Als ich das letzte Mal in Tunesien war, lernte ich glücklicherweise einen Tunesier etwas näher kennen, der mir, und meinen Freunden, den Ort zeigte. Mit typisch afrikanischer Gastfreundlichkeit wurden wir bei ihm zu Hause zu einem Glas Tee eingeladen. Der Tee wird dort noch auf die einfache Art auf einem kleinen Kohlerechaud zubereitet. Frische Minze und Grüner Tee werden so zusammen mit viel viel Zucker zur tunesischen Bière, dem Bier Nordafrikas.

Ein ganz spezielles Erlebnis in Zarzis war der Besuch eines Fussballmatchs. Der ES Zarzis spielte zum ersten Mal im neu renovierten Stadion gegen die Mannschaft aus Kairouan. Renoviert ist vielleicht etwas übertrieben; das Staubige Sandspielfeld wurde durch einen Kunstteppich ersetzt. Vor dem Match mussten wir für einen Europäer sehr lange in der Sonne vor dem Stadion warten, bis de Leute eingelassen wurden. Dabei wurde ganz genau kontrolliert, dass die Leute nicht in der Schlange noch vorne drängelten, was wir dann aber doch taten. Schliesslich kennt ein Tunesier immer jemanden weiter vorne, der einen vorlässt. 

Nachdem wir schon beinahe gar waren, durften wir doch langsam ins Stadion, das aber auch schon fast voll war. Auch hier entdeckte Ezzeddine (der Tunesier) bald ein paar Freunde, die uns ein wenig Platz machten. Ziemlich schnell kamen wir mit ihnen ins Gespräch, denn Schweizer sieht man an einem Match des ES Zarzis eigentlich nie. Zeit zum Reden hatten wir ja noch genug, denn vor dem Match fand noch ein Spiel der Junioren statt. Da der neue Kunstrasen von einem Deutschen gefertigt wurde, und mein Kollege aus der Schweiz einen Deutschen Pass besitzt, erzählte Ezzeddine seinen Freunden, der Rasen sei von seinem Vater hergestellt worden, was natürlich ein Witz war. Überhaupt sind die Tunesier die Besten Lügner der Welt, Schlitzohren eben (Glaube einem Tunesier nie etwas, bevor er es nicht mindestens 1001 Mal auf Allah beschworen hat).
Vor dem eigentlichen Match betrat der Bürgermeister von Zarzis das Stadion. Ich habe noch nie eine so grosse Menschenmenge in zwei Sekunden aufstehen gesehen. Zack!, und alle standen. Nachdem der Politiker seine Runde gedreht hatte, machte es wieder Zack!, und alle sassen wieder. Bis auf mich und den Deutschen. Wir verpassten das Zack!, und hatten nun keinen Sitzplatz mehr. Irgendwie schafften wir es dann doch wieder, abzusitzen, so dass auch wie bereit für den Match waren. Zu einem tunesischen Fussballspiel braucht es nicht viel: Zwei Mannschaften, ein Feld und drei Kilo geröstete Sonnenblumenkerne pro Person. Der Match selber war nicht sehr umwerfend, immerhin gewannen "wir".

Ezzeddine, der die ganze Stadt zu kennen schien, kannte auch einige Spieler aus der Mannschaft, da er früher selber einmal beim ES Zarzis gespielt hatte. Wir konnten deshalb nach dem Spiel mit einem von ihnen mit dem Auto mitfahren.

Später besuchten wir noch einmal ein Training der Mannschaft, und assen danach mit einigen von ihnen zu Mittag. Sie assen natürlich das obligate Couscous, ohne das ein Tunesier scheinbar nicht überleben könnte, selbst, wenn er im Paradies leben würde. Ich begnügte mich damit, das einmalige Preis/Leistungs-Verhältnis des Steaks für etwa 5 Franken auszunützen.
Nun bin ich schon viel zu lange nicht mehr in Nordafrika gewesen, und denke immer wieder gerne an Couscous, Thé vert, les dattes und den schafen Paprika zurück, der in Tunesien in jeder Sauce reichlich vorhanden ist.
Bislema, bis zum nächsten Mal. Es kommt bestimmt...

Die Bilder vom Stadion wurden am Training gemacht. Am Match hatte es natürlich auch ein paar (tausend) Zuschauer. Herzlichen Dank an meine Schwester, ein Teil der Bilder stammt von ihr.