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Gedanken zum Kino
Schreibt man übers Kino, so begibt man sich auf gefährliche
Pfade. Erst recht, wenn man quasi als Aussenstehender berichtet.
Objetive Wahrheiten gibt es zwar, aber die sind langweilig, also
wird oft gewertet. Und hier beginnt die Gefahr. Denn wo Meinungen
sind, sind auch Gegener, und Betroffene. Was gibt es denn für
Reizthemen?
Hollywood
Hollywood ist ein Reizbegriff. Einerseits ist Hollywood - und das
darf man sicher so sagen - ein Meilenstein in der Kinogeschichte.
In Hollywood entstanden die grossen Gefühlsfilme. Grosse Romantische
Komödien ("Vater der Braut", "Breakfast at Tiffanys"),
dramatische Epen ("Gone with the Wind", "Titanic"),
Thriller ("Rear Window", "JFK") oder spannende
Actionfilme ("Terminator", "Dirty Harry") wurden
an der Westküste der USA gemacht. Und sie waren erfolgreich.
Dieser Erfolg, gekoppelt mit viel (viel) Geld, hat zu einer Gegenkultur
geführt, die grundsätzlich alles in Frage stellt, was
erfolgreich ist. Die Anhänger dieser Gegenkultur besuchen ausschliesslich
Studiokinos und sind grosse Fans von Schweizer Dokumentarfilmen
und dänischen "Dogma"-Speilfilmen. Nichts gegen Schweizer
Dokumentarfilme, aber grundsätzlich alles Grosse zu verurteilen,
bedeutet, sich in einer elitär-arroganten Weise über all
die Menschen lustig zu machen, die diese grossen Filme mögen.
Sicherlich wurden auch in Hollywood schlechte Filme gemacht. Gleichzeitig
gab es sehr erfolgreiche europäische Filme ("Four Weddings
and a Funeral", "Le fabuleux destin d'Amelie Poulin",
"Trainspotting") und sogar Schweizer Hits ("Die Schweizermacher",
"Komiker", "Die Herbstzeitlosen"). Qualität alleine auf die geografische
Herkunft zu reduzieren ist daher eher fahrlässig.
Kunst
Ist Kino Kunst, oder ist es das nicht? Überhaupt, was ist
Kunst? Ist Kunst, möglich abstrakte Idee zu visualisieren?
Ist Kunst, den Zuschauer zu schockieren? Oder heisst Kunst, dass
man den Zuschauer zwei Stunden lang zum Nachdenken anregt (bis die
Köpfe rauchen und im Kino die Sprinkleranlage losgeht)?
Für mich ist die Kunst des Filmemachens, einen Film herzustellen,
der es schafft, dass die Zuschauer zwei Stunden lang alles andere
vergessen. Vielleicht werden sie in eine total verrückte Welt
entführt (wie in Kubricks "Clockwork Orange") oder
vielleicht werden sie Teil einer romantischen Geschichte ("Pretty
Woman"). Hauptsache, der Zuschauer merkt erst beim Abspann
wieder, dass er eigentlich im Kino sitzt. Wenn das gelingt, ist
aus bewegten Bildern Kunst geworden.
Qualität
Über den Begriff Qualität habe ich mich an der Uni einmal genüsslich mit Studenten der Medienwissenschaften gestritten. Wann immer von Qualität
gesprochen wird, sind Wertungen mit im Spiel. Entweder man richtet
sich nach dem Markt. Dann bedeutet Qualität,
eine möglichst gute Befriedigung dessen, was gefragt ist.
Das bedeutet aber auch, dass ein B-Movie von grosser Qualität
ist, wenn alle B-Movie-Fans, die den Film sehen, zufrieden aus dem
Kino gehen, und alle anderen Zuschauer (B-Movie-Hasser) gar nicht
erst ins Kino gehen.
Qualität kann aber auch sehr subjektiv (aus der Ich-Perspektive
heraus) definiert werden. Dies ist oft der Qualitäts-Begriff,
den Filmkritiker und Regisseure verwenden. Dieser qualitätsbegriff
ist einfacher zu verwenden, denn er kommt dierkt aus dem Bauch,
aber er ist nicht kompatibel. Jeder Mensch hat andere Wünsche
und somit einen anderen Qualitätsbegriff. Hier ruht Konflikpotential.
Fazit
Aus all diesen Konfliktstoffen bastlern Kritiker ihre Filmkritiken.
Und Filmfreunde finden darin Themen, um stundenlang am Stammtisch
zu diskutieren. Das Fazit ist: Jeder darf eine Meinung haben, weshalb
er einen Film gut oder shlecht findet. Mit Ausdrücken wie "Qualität",
"Kunst" oder ähnlichem, sollte man aber sehr vorsichtig
umgehen.
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